Selbsthilfe für Umgeschulte Linkshänder
Bärbel Däuble, Selbstcoach
Umgeschult



W A R U M ?


Warum schreibe ich nicht schon immer mit links? Die Antwort stand in keinem Buch, keiner Zeitschrift: "Mutter hat Dir den Stift immer in die rechte Hand gegeben." Der Satz meiner Schwester war ein Schock. Ich wurde nicht gefördert sondern erzogen. Ich empfinde es als Unrecht, was mit den Linkshänderkindern bis in die 60iger Jahre hinein geschah. Nach der offiziellen Schulverordnung war bis Ende der 50iger Jahre das Rechtsschreiben Pflicht. Aus den Kindern sind Erwachsene geworden. Wie reagiert die Psyche im weiteren Leben auf die Umschulung? Heute werden die Kinder zu Betroffenen, da Bezugspersonen oft keine Hilfe durch Erzieher und/oder Pädagogen erhalten, weil die nötige Aufklärung fehlt.

Als Kleinkind begrüßte ich mit links eine entfernte Verwandte. "Gib das schöne Händchen"

"Gib das schöne Händchen". "Gib das rechte Händchen". Gibt es auch ein falsches Händchen? Diese Begrüßung zeigt ein mangelndes Einfühlungsvermögen, fehlende Kenntnisse über Händigkeit bei den Erwachsenen und führt zur Verunsicherung des linkshändigen Kindes. Welche Möglichkeit hat ein Kindergarten-/Schulkind in dieser Situation? Anpassung oder Trotz? Begrüßen und Verabschieden ist auf verschiedene Arten möglich, ohne das Unbehagen und Unwohlsein aufkommen. (Hinweis in den Büchern von Frau Dr. Sattler, Erste Deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder e.V. München)

  Barbara  Johanna Sattler , Auerverlag   Linkshändige Kinder im Krippen- und Kindergartenalter  Dies Buch sollte in jedem Kindergarten vorrätig sein. Das Buch ist außerdem eine erstklassige Hilfe für ratsuchende Eltern.

Die Umschulung ist ein Vertrauensbruch. Auslöser sind die engsten Bezugspersonen. Wie reagiert ein Kind in dieser Stresssituation? Das Verhaltensmuster aus der Kindheit festigt sich, wird in das Unterbewußtsein verdrängt und wirkt von dort auf das künftige Verhalten.

Wie verarbeitet das Gehirn diese Ereignisse? Die Umschulung greift in den Wachstumsprozeß des kindlichen Gehirns ein. Die genetisch vorgegebenen neuronalen Bahnungen werden massiv beeinflusst, die Auswirkungen können sich bereits im Schulalter oder erst im Erwachsenenalter bemerkbar machen. (Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn, Autorin Johanna Barbara Sattler)

Während der Schulzeit gab es in den Geschäften die ersten Bleistiftanspitzer und Scheren für Linkshänder. Meinen Wunsch mit links zu schreiben, lehnte die Klassenlehrerin 1962 ab.  Einmal rechts, dann immer rechts. Im Laufe der Jahre verlagerten sich immer mehr Tätigkeiten auf die rechte Hand. Um in der Gemeinschaft integriert zu sein, wurde ich umgeschult. Die Anpassung kam unbemerkt und unbewußt.

 


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